Kommen Sie mit auf eine Reise – nicht in eine ferne Science-Fiction-Zukunft, sondern in eine Zukunft, die schon vor der Tür steht.
Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie betreten Ihren Arbeitsplatz und einige Ihrer „Kollegen“ sind keine Menschen mehr. Es handelt sich dabei nicht um Roboter im herkömmlichen Sinn, sondern um Agenten – autonome Softwareeinheiten, die jeweils anhand riesiger Datensätze trainiert wurden, über Entscheidungsbefugnis verfügen und in der Lage sind, wirtschaftliche, gesellschaftliche und betriebliche Aufgaben in großem Umfang zu erfüllen. Diese Agenten schreiben Richtlinien, überwachen Lieferketten, verarbeiten Gesundheitsakten, erstellen Nachrichten und steuern sogar unsere digitalen Interaktionen.
Dies ist keine Szene aus einem Film. Es handelt sich um eine grundlegende Veränderung, die auf uns zukommt und die unsere Arbeitsweise, die Funktionsweise unserer Regierungen und sogar die Funktionsweise unserer Gemeinschaften verändern wird. In dieser Welt wird die digitale öffentliche Infrastruktur (DPI) keine Annehmlichkeit sein. Sie wird ein wichtiger Baustein sein.
Wir sagen gerne: „Jeder besitzt Daten.“ Aber die eigentliche Frage lautet: Wo befinden sie sich? Wer kontrolliert sie? Wer regelt den Zugriff darauf? In einer Welt, die von Agenten gesteuert wird, sind diese Fragen nicht nur technischer Natur – sie betreffen Macht und Unabhängigkeit.
Ein souveräner Staat, der seine Daten nicht lokalisieren, ihnen nicht vertrauen oder sie nicht verwalten kann, ist nicht mehr souverän. Eine Regierung, die nicht überprüfen kann, was ihre eigenen Agenten herausgefunden haben bzw. mit wem sie kommunizieren, regiert nicht mehr.
Um in diesem neuen Ökosystem zu überleben und zu gedeihen, muss sich DPI zu dem entwickeln, was ich Digital Shoring nenne: eine Grundlage für souveräne, vertrauenswürdige und offene Umgebungen, die auf vier Säulen basiert:
Open Data – nicht nur Zugriff, sondern Vertrauen. Datenherkunft, -abstammung und überprüfbare GovernanceZu wissen, woher Ihre Daten stammen und wohin sie gelangen, ist nicht mehr optional.
Open-Source-Software – da kritische Infrastrukturen, die auf Black Boxes aufgebaut sind, weder sicher noch souverän sind.
Offene Standards – denn ohne gemeinsame Protokolle können Agenten nicht kooperieren, Institutionen nicht interagieren und Regierungen nicht regieren.
Offene Fähigkeiten – denn die Fähigkeit, eine Bilanz zu lesen oder ein neuronales Netz zu prüfen, sollte nicht nur wenigen Privilegierten vorbehalten sein.
Dabei handelt es sich um das Rückgrat einer agentenbasierten Gesellschaft, die fair, souverän und resilient ist.
Lassen Sie uns darüber sprechen, was Agenten tatsächlich sind – und was sie nicht sind.
Stellen Sie sich vor, ich übergebe den Jahresabschluss eines Unternehmens an zwei Leser: einen Nachwuchsanalysten und einen erfahrenen Ökonomen. Beide verstehen vielleicht die Zahlen, aber nur einer kann strategische Erkenntnisse daraus gewinnen. Ebenso können Agenten lesen, analysieren und Schlussfolgerungen ziehen – aber die Qualität ihrer Handlungen hängt vollständig von den Fähigkeiten ab, mit denen sie ausgestattet sind. Diese Fähigkeiten können trainiert, erworben oder – was besonders wichtig ist – geteilt werden.
Im öffentlichen Sektor stellt dies eine außergewöhnliche Chance dar. Warum sollte jede Institution denselben Agenten neu erfinden? Warum können die Fähigkeiten eines Betrugserkennungsagenten, der in einer Abteilung eingesetzt wird, nicht sicher und ethisch auf eine andere Abteilung übertragen werden?
Genau wie Menschen ihr Fachwissen teilen, benötigen wir eine Infrastruktur für den Austausch von agentischen Fähigkeiten zwischen digitalen Institutionen. Hier können Organisationen wie die UN helfen: indem sie Standards festlegen und allen Beteiligten im Rahmen der Initiative „Global Digital Compact“ zur Seite stehen.
Derzeit wird viel über die Sicherung von Daten innerhalb nationaler Grenzen diskutiert. Aber in der Welt der Agenten ist das einfach nicht genug. Vielmehr kommt es darauf an, wo und wie Modelle trainiert werden, wie sie verwaltet werden und wie wir sie kontrollieren.
Wir benötigen souveräne KI-Plattformen – ähnlich wie Personalabteilungen ihre Mitarbeiter verwalten: Verifizierung von Zugangsdaten, Gewährleistung der Abstimmung, Überwachung der Performance und Förderung der Zusammenarbeit.
Bei Cloudera entwickeln wir die Rahmenbedingungen für solche Plattformen: sichere hybride KI-Umgebungen, Open-Source-Datenpipelines, Governance-orientierte Orchestrierungsebenen und eine modulare LLM-Serving-Infrastruktur, die nationale Compliance-Frameworks berücksichtigt. Aber das kann kein Unternehmen alleine schaffen. Es handelt sich um eine globale Mission.
Regierungen weltweit erkennen bereits, dass private KI nicht auf öffentlichen Cloud-Monopolen aufgebaut werden kann. Die digitale Identität und die Überwachung von Agenten müssen offen und transparent sein, nicht versteckt, ad hoc oder undurchsichtig.
Die Zukunft muss also bei Code, Daten und Protokollen auf jeden Fall von Grund auf transparent, aber standardmäßig geregelt sein. Von digitalen IDs, die nicht nur Menschen, sondern auch Agenten und deren Verhalten authentifizieren, bis hin zu vollständigen Wissensgraphen, die gemeinsames institutionelles Wissen systemübergreifend pflegen, zusammen mit Audit-Trails, die jede Entscheidung, jede Schlussfolgerung und jeden Prompt dokumentieren.
Es geht nicht nur um Technologie. Es geht um den Aufbau einer neuen Art digitaler Gesellschaft – einer Gesellschaft, die Staaten stärkt, Bürger schützt und Geheimdienste mit demokratischen Werten in Einklang bringt.
Diese Transformation wird nicht einfach sein. Dazu bedarf es einer mutigen Politik, nachhaltiger Investitionen, grenzüberschreitender Zusammenarbeit und – vor allem – einer auf Werten basierenden technischen Führung.
Aber seien Sie sich bewusst: Digitale Zusammenarbeit ist nicht optional. Es ist die Voraussetzung für Souveränität in einer agentischen Welt. Ohne sie bleiben uns nur Silos, Anbieterabhängigkeit und algorithmische Abweichungen. Damit gestalten wir eine Zukunft, in der Intelligenz – ob menschlich oder maschinell – dem Gemeinwohl dient.
Lassen wir also die Schlagworte hinter uns. Lassen Sie uns Plattformen, Protokolle und öffentliche Güter schaffen, die offen, modular und souverän sind. Lassen Sie uns Agenten nicht nur als Tools betrachten, sondern als Mitglieder einer digitalen Gesellschaft, die Governance, Vertrauen und Zusammenarbeit benötigen.
Und vielleicht – nur vielleicht – werden wir im Rückblick auf den heutigen Tag aus der Perspektive von morgen diesen Moment nicht als Krise in Erinnerung behalten, sondern als den Moment, in dem wir uns entschieden haben, gemeinsam die Zukunft zu gestalten.
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